Kastration

Bei Hunden und Katzen.

 

Die Kastration ist bei unseren Haustieren der häufigste chirurgische Eingriff. Sie bezeichnet die Entfernung der Geschlechtsdrüsen, also der Eierstöcke beim weiblichen und der Hoden beim männlichen Tier. Die Hündin wird nicht mehr läufig, die Katze nicht mehr rollig, Rüden und Kater produzieren kein Sperma mehr. In den meisten Fällen werden Tiere durch eine Kastration ausgeglichener und weniger aggressiv.

 

Geschlechtsreife bei Hunden und Katzen

 

Bei Hündinnen beobachtet man die Geschlechtsreife und damit die erste Läufigkeit zwischen dem sechsten und 14. Lebensmonat, abhängig von Rasse und Größe. Danach werden Hündinnen ein- bis zweimal im Jahr läufig. Während dieser Zeit kann die Hündin an einigen Tagen gedeckt werden. Zu Beginn der Läufigkeit tritt Blut aus der Scheide aus. Wesensveränderungen sind erst während der sogenannten „Stehzeit“ (etwa vom zehnten bis 14. Tag nach Beginn der Läufigkeit) zu bemerken: Die Hündin wird unruhig – sie ist nun fruchtbar und paarungsbereit. Nach etwa drei Wochen ist die Läufigkeit beendet. Rüden erreichen die Geschlechtsreife ungefähr im Alter von acht bis zehn Monaten.

 

Bei Kätzinnen tritt die sogenannte Rolligkeit etwa ab dem sechsten Lebensmonat auf. Freilebende Katzen können zwei- bis dreimal pro Jahr rollig werden. Die Kätzin bleibt solange rollig, bis durch den Deckakt oder Nackenbiss des Katers der Eisprung ausgelöst wird. Fehlt der Kater, ebbt die Rolligkeit nach einigen Tagen wieder ab - es folgt jedoch sehr bald eine neue Rolligkeit. Wenn es zu keiner Befruchtung kommt, tritt nun die Rolligkeit in immer kürzeren Abständen ein – die Katze wird dauerrollig. Kater werden mit sechs bis acht Monaten geschlechtsreif.

 

Vorteile der Kastration

 

Bei der Hündin verhütet die Kastration eine ungewollte Trächtigkeit. Durch den Eingriff werden die Sexualfunktionen zeitlebens und irreversibel ausgeschaltet. Erfolgt der Eingriff vor der zweiten Läufigkeit, verringert sich deutlich das Risiko einer späteren Tumorbildung im Gesäuge. Außerdem verhindert die Kastration eine Scheinträchtigkeit sowie die gefährliche Gebärmuttervereiterung. In unserer Praxis werden Hündinnen ohne krankhafte Gebärmutterveränderungen nur die Eierstöcke entfernt. Dadurch ist der operative Zugang zur Bauchhöhle deutlich kleiner und die Wundheilungsphase kürzer. Die Gebärmutter bildet sich nach der Operation zurück. Rüden entkommen durch eine Kastration dem sexuellen Stress. Der Eingriff ist gemeinhin völlig problemlos. Wir empfehlen das Abwarten der Geschlechtsreife.

 

Kätzinnen können nach einer Kastration nicht mehr dauerrollig werden. Kater und Katzen mit Freigang vermehren sich nicht mehr unkontrolliert, und das Risiko von Geschlechtsinfektionen entfällt. Zudem verringert sich die Gefahr von tödlichen Unfällen im Straßenverkehr und Verletzungen durch Revierkämpfe, denn kastrierte Katzen neigen weniger zum Streunen. Kätzinnen sollten etwa im Alter von sechs Monaten, Kater zwischen sieben und acht Monaten kastriert werden. 

 

Nachteile der Kastration

 

Bei Hündinnen mit mehr als 20 Kilogramm Körpergewicht kann eine Kastration die sogenannte Harninkontinenz (Harnträufeln) zur Folge haben. Meistens äußert sich die Inkontinenz nur im Schlaf und tritt oft nur schwach oder gelegentlich in Erscheinung. Mit einer gezielten Hormonbehandlung ist sie in der Regel aber gut zu beheben. Die komplette oder Teilentfernung der Gebärmutter hat nach heutigen medizinischen Erkenntnissen keinen Einfluss auf diese Inkontinenzentstehung.

 

Bei langhaarigen, roten und braunen Rassen (z.B. Cocker Spaniel, Irish Setter, kl. Münsterländer, Deutsch Langhaar) kann sich das Haarkleid verändern: seitlich am Rumpf und außen an den Gliedmaßen bildet sich feines, stumpfes Welpenhaar. Ein Problem, dem man mit Trimmen des Fells entgegenwirken kann. Überdies kommt es bei allen Rassen mit mittellangem bis langem Fell zur vermehrten Entwicklung von Unterfell.

 

Ein weit verbreitetes Vorurteil besagt, dass kastrierte Hunde und Katzen träge und dick werden. Tatsächlich aber bleiben die Tiere bei richtiger Ernährung und ausreichender Bewegung genauso lebhaft und schlank wie zuvor, außer es besteht eine angeborene Tendenz zur Fettleibigkeit.

 

Alternativen zur Kastration

 

Bei der Hündin wäre die Alternative eine „Anti-Baby-Spritze“ – eine Hormonspritze mit einer Wirkungsdauer von zirka fünf Monaten. Allerdings raten wir von dieser Behandlung ab. Denn nicht selten werden Hündinnen trotz der Depotspritze läufig, und nach einer eventuellen Deckung des Tieres kommt es sehr häufig zu Geburtsschwierigkeiten. Eine Langzeitanwendung der Hormonbehandlung begünstigt darüber hinaus die Entstehung von Gebärmuttervereiterungen und Gesäugetumoren.

 

Beim Rüden ist seit einigen Jahren durch Einsetzen eines Hormonimplantates eine sichere, gut verträgliche und reversible Ausschaltung der Hodenfunktion für die Dauer von sechs bis zehn Monaten möglich. Man bezeichnet die Methode auch als „chemische Kastration“.

 

Trächtigkeitsabbruch

 

Nach einem ungewollten Deckakt sollte man sofort den Tierarzt aufsuchen – auch in diesem Fall kann der Tierarzt eine Hormonspritze verabreichen. Eine Trächtigkeit kann bis zum 42. Tag unterbrochen werden.